Die Frau sass hinter einem Cello und manchmal griff sie auch zum Schüttelei. Der Mann spielte Gitarre und es schien, als wäre sein Gesicht ein Verstärker, mit dem er mehr Gefühl aus den Saiten holte. Ihre Stimmen passten wie Puzzleteile, man könnte sagen: Es simon-and-garfunkelte ein wenig. Dazu kamen die Stimmen der Gäste, die laut durcheinander quatschten. Eine Kellnerin, die ich für ihre Ruppigkeit liebte, rief immer wieder: Das ist ein Konzert, Klappe halten! Wahre Worte. Ich schätzte es, mal nichts zu sagen und die Leute anzuschauen. Ansichten eines Listenliebhabers: Am drittbesten mochte ich die Ergriffenen, meist Frauen, die die Mimik des Sängers nachahmten, ganz gedämpft nur. Nummer zwei: Die grosse Schwester der Cellistin, die ganz vorne sass und der Cellistin immer wieder in die Augen schaute und ihr zulächelte. Doch am liebsten war mir ein Junge, der gern jetzt schon ein Mann wäre, nicht erst in zehn Jahren. Er lehnte an der Bar, trug einen weissen Zuhälterschal. Er hatte eine Bomberjacke an, die glänzte wie seine Gelfrisur. Obwohl die Musik was für Sesshafte war, begann er irgendwann, zu tanzen und leise zu quietschen mit seinen Sneakers. Er hielt die Augen geschlossen, nur manchmal öffnete er sie und schaute die Cellistin an, aber nur kurz - ein visuelles My. Dann schwankte er wieder hin und her in seiner raumgreifenden Bomberjacke und ich hatte den Eindruck: Das ist das erste Mal, dass ich ein tanzendes Michelinmännchen sehe.